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Brandenburg Geschichte

Klostergarten Neuzelle

Einen interessanten Blick auf auf eine bekannte Sehenswürdigkeit in Ostbrandenburg erlaubt uns der »Grund-Riss des Stiffts und Closters Neuzelle« im Atlas des Zisterzienserstift aus dem Jahr 1755 (Abb. 1). Das Original des Atlas befindet sich in der Staatsbibliothek Berlin. Das moderne Kloster Neuzelle lockt die Besucher mit seinem Konventgarten (Abb. 2) und der Orangerie für die Überwinterung der Südfrüchte (Abb. 3).

Konventgarten im Kloster Neuzelle, (c) Dr. Tim Jäkel, 2024.

Das Kloster Neuzelle liegt 4 km südlich der Stahlstadt Eisenhüttenstadt wurde wie die gleichnamige Gemeinde 1268 gegründet. Im Zuge der territorialen Neuordnung und des Reichsdeputationshauptschlusses wurde das Kloster 1817 aufgelöst. Es befindet sich heute im Besitz des Landes Brandenburg bzw. der Stiftung Neuzelle.

Organgerie des Konventgartens im Kloster Neuzelle, (c) Dr. Tim Jäkel, 2024.

Die Zisterzienser lebten nach den Regeln des heiligen Benedikt von Nursia (6. Jahrhundert). Unzufrieden mit der laschen Entwicklung des gleichnamigen Benediktinerordens gründete sich im 12. Jahrhundert in der ostfranzösischen Stadt Citeaux der Orden der Zisterzienser. Der Orden breite sich in der Folge rasch bis an die Grenzen des damaligen Römischen Reiches aus.

Klosterkirche im Kloster Neuzelle, (c) Dr. Tim Jäkel, 2024.
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Geschichte Lehren&Lernen

Tom Holland: Herrschaft

Die Osterferien bieten Zeit, neue Buchkäufe ausführlicher zu studieren. Dazu gehört Tom Hollands deutsche Paperbackausgabe von „Dominion. The Making of the Western Mind“ bei Klett-Cotta (2023, auf englisch zuerst 2019 bei Little, Brown erschienen).

Holland, Tom (2023), Herrschaft. Die Entstehung des Westens, Stuttgart: Klett-Cotta, 620 Seiten, 20 Euro. 

Der britische Autor Tom Holland bietet dem Leser in 21 Kapiteln eine anspruchsvolle, aber kurzweillige Reise in die Entstehung jener Weltbilder, die das ausmachen, was wir heute als den „Westen“ bezeichnen. Die rund 600 Seiten starten in der Antike und gehen über das Mittelalter („Christentum“) bis in die Neuzeit („Modernitas“). Als Einführungsbuch für Schüler der gymnasialen Oberstufe ist der Band jedoch nicht geeignet.

Ich habe zwei Kapitel herausgepickt, um den Charakter des Buches zu illustrieren: Kapitel VI Himmel und XIII Reformation. Die römisch-griechische Antike ist leider nicht (mehr) Gegenstand des Rahmenlehrplans in Brandenburg, die Reformation als Brücke in die frühe Neuzeit aber umso mehr. Kapitel VI umreist sprachlich sicher eloquent die Weltbilder und Konzepte, die das Denken eines (christlichen) Menschen im ausgehenden 5. Jahrhundert u. Z. prägen. In jener Zeit hatte „sogar das Wort religio seine Bedeutung verändert: Jetzt bezeichnete es das Leben eines Mönches oder einer Nonne“ (Holland, 2023, S. 178). So weit, so verständlich. Die weiteren Ausführungen darüber, welche Vorstellung, Glaubenssätze und Ängste die Menschen im lateinischen Europa bewegte, bleiben mir zu abstrakt und metaphysisch. Für die Unterrichtsvorbereitung lassen sich aus diesem Kapitel Erkentnisse nur sehr schwer didaktisch reduzieren.

Deutlich besser gefällt mir das Kapitel XIII über Reformation in Europa. Auch hier setzt Holland implizit Grundlagenwissen über historische Fakten und Prozesse voraus. Was Luther auch über den deutschen Tellerrand und die Konfessionen hinaus bewirkte, wird kognitiv anregend beschrieben – wer der Augustinermönch und Professor für Bibelauslegung in Wittenberg war, sollte man vorher schon mal gehört haben. Das gleiche gilt für Thomas Müntzer, dem Holland – und das ist positiv hervorzuheben – ebenso Raum gibt, wie den Gedankengängen von Heinrich VIII in England und Johannes Calvin in Genf.

Äußerst positiv fällt die professionelle Arbeit des Verlags bzw. der Übersetzer auf. Für die englischsprachigen Quellen hat der Verlag jeweils deutschsprachige Veröffentlichungen herausgesucht und im Fussßnotenapparat ergänzt. So viel Mühe macht sich heute kaum noch jemand.

Hollands Buch liefert neue Einsichten und baut gedankliche Brücken zwischen Dingen, die man wusste, aber eben noch nicht in einen Zusammenhang gestellt hat. Aber es erfordert, wie gesagt, einiges Vorwissen. Insgesamt ein Nice-to-Have, aber keine Pflichtlektüre.

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Geschichte

Neu im Buchregal: „Die Brandstiftung“ oder Die Nacht, in der die Demokratie unterging

Heute vor 91 Jahren, am 27. Februar 1933, brannte der Reichstag in Berlin. Für die Nazis bot die Brandstiftung die einmalige Gelegenheit, ihren Terror gegen politische Gegner offen auszuüben und ihm gleichzeitig einen legal-juristischen Anstrich zu geben. 

Am Tag darauf, dem 28. Februar 1933, erließ Reichspräsident und Antidemokrat Hindenburg die sog. Reichstagsbrandverordnung (Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat). Nur wenige Wochen danach stimmte eine Mehrheit der noch verbliebenen Reichstagsabgeordneten dem sog. Ermächtigungsgesetz zu – und schaffte sich damit selbst ab.

„Strategie der Spannung“: Wahlplakat der NSDAP zur Reichstagswahl am 5. März 1933. Quelle: Topografie des Terrors. Eine Dokumentation. 5. Aufl. 2018, S. 19

Es gibt wohl kaum ein aktuelleres Thema im Geschichtsunterricht zur NS-Herrschaft in Klassenstufe 9 und 11. Neue Impulse für Dozenten und Lehrkräfte bietet die Neuerscheinung von Uwe Sokoup im Heyne-Verlag.

Soukup, Uwe (2023): Die Brandstiftung. Mythos Reichstagsbrand - was in der Nacht geschah, in der die Demokratie unterging. München: Heyne, 208 Seiten, 22 Euro. 

Uwe Soukup legt in seinem aktuellen Buch „Die Brandstiftung“ eine Auseinandersetzung mit dem „Mythos Reichstagsbrand“ vor.

„Unbestritten […] ist die Tatsache, dass der Reichstagsbrand von den Nazis sehr effektiv genutzt wurde, um ihre Diktatur und damit ihren Terror zu installieren. Über die Frage aber, ob die Nazis, den Brand, den sie so gut nutzt, auch selbst gelegt hatten, wird seit Jahrzehnten gestritten.“

(Soukup, 2023, S. 10)

Lange hielt und hält sich in der bundesdeutschen Geschichtsschreibung die Einzeltäterthese, wonach der geistig verwirrte Marinus von der Lubbe an mehreren Orten im Reichstag Feuer gelegt haben soll. Soukup zerpflückt in seinem kurzweiligen Buch alle entsprechenden Behauptungen. Leider verzichtet Soukup auf Belegstellen für seine zahlreichen Verweise auf die Quellen und die Fachliteratur. Ein Belegapparat einschließlich Literaturverzeichnis hätte das lesenswerte Buch zusätzlich aufgewertet. So bleibt der Befund, dass „eine naturwissenschaftlich, unhaltbar These es schaffen konnte, die Geschichtsschreibung dieses für die endgültige Eroberung der absoluten Macht durch die Nazis zentralen Vorgangs über Jahrzehnte zu dominieren“ (Soukup, 2023, S. 171). 

„Die Weimarer Republik fand nicht am Tag der Macht Übertragung an Hitler ihr Ende, am 30. Januar 1933 – sondern am 27. Februar 1933, als in Berlin der Reichstag Opfer der Flammen und Hitler unumschränkte Diktator wurde.“

(Soukup, 2023, S. 9)

Und schon Egon Erwin Kisch, der wie auch Erich Mühsam, Carl von Ossietzky und viele andere bereits am 28. Februar 1933 von den Nazis verhaftet wurde, wusste und publizierte im April 1933: 

„Cui prodest – wem sollte die Taten nützen? Antwort: Dem, dem sie genützt hat. Dem, der durch sie seine parlamentarischen Gegner vom Parlament ausschließen, dem, der die gegen ihn kämpfende Arbeiterschaft schwächen, dem, der seinen Anhänger damit das längst versprochene Fest der langen Messer bieten wollte. Dem Nationalsozialismus.“

Kisch, Egon Erwin (1983 [1933]), „Der Reichstagsbrand“. In: Uhse, Bodo; Kisch, Gisela: Kisch, Egon Erwin. Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Bd. IX. Mein Leben für die Zeitung. 1926-1947. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag. S. 337-342.
ursprünglich erschienen in: Der Reichstagsbrand – Der Gegen-Angriff, 1. Jg., Nr. 1, Prag, Ende April 1933, S. 5
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Geschichte Teaching

Die Deutschen und die Krim

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Bundestagspräsidentin Bärbel Bas rief in der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag am 31. Januar 2024 auch den Vernichtungsfeldzug der Hitlerwehrmacht in Osteuropa ins Bewusstsein:

„[E]rinnern wir uns in diesem Jahr besonders an die Opfer der deutschen Besatzungs- und Vernichtungspolitik in Mittel- und Osteuropa [und] an all diejenigen, die als Kriegsgefangene und […] Zwangsarbeiter ausgebeutet und entrechtet wurden. […]“

Bärbel Bas (2024), Rede von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus; https://www.bundestag.de/parlament/praesidium/reden/2024/20240131-988016

Damit verbindet sich ein immanenter Lehrauftrag: „Wir brauchen mehr politische Bildung […] auch und gerade in Schulen.“ (Ebd.)

Einen geeigneten Aufsatz für den Einsatz im Geschichtsunterricht in Klasse 9 und 11 zu diesem Thema bietet der Beitrag von Bert Hoppe in der aktuellen Ausgabe der APuZ (6-8/2024).

Hoppe, Bert (2024), Schatten der Weltkriege. Die Deutschen und die Krim. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 74(6-8/2024), 33-39.

Hoppe konstatiert dabei eine entlarvende „Unkenntnis“ weiter Teile der deutschen Bevölkerung gegenüber Osteuropa, verknüpft mit Selbstmitleid. Anekdoten, wie die von Joseph Beuys über einen Flugzeugabsturz als deutscher Landser 1944 auf der Krim, reihen „sich ein in die zahllosen Erzählungen deutscher Kriegsteilnehmer, in denen das eigene Leid überhöht, das der Menschen in den überfallenen Ländern hingegen ausgeblendet wird“ (Hoppe, 2024, S. 34).

Im Fall der Krim datieren deutsche Besatzungspolitik und -Weltmachtphantasien bereits auf das Ende des Ersten Weltkrieges. Die Kriegsbegeisterung von 1914 ist spätestens mit dem Kohlrübenwinter 1916 dahin, der innenpolitische Burgfrieden brüchig. Während im Westen trotz Giftgaseinsatz keine mehr Erfolge zu verbuchen sind, bricht die Reichswehrsführung im Osten ihren Diktatfrieden von Brest-Litowsk mit der jungen bolschewistischen Regierung und besetzt im April 1918 die Krim. General Ludendorff sieht die Krim dabei „als Ausgangspunkt für die Ausübung deutscher Herrschaft bis in den Kaukasus hinein“ (Hoppe, 2024, 36). Die Novemberrevolution in Deutschland vertreibt den Kaiser jedoch aus dem Neuen Palais und die deutschen Truppen ziehen von der Krim und aus der Ukraine ab. 

Im Unterschied zu Ludendorff „spielten für die Nationalsozialisten spezifisch völkische Motive eine Rolle“ für ihre „Lebensraumpolitik“ auf der Krim.

„Hitler äußerte im kleinen Kreis am 16. Juli 1941, [die Krim] müsse ‚von allen Fremden geräumt und deutsch besiedelt werden‘“

(Hoppe, 2024, S. 37).

Bildquelle 2 aus dem Bundesarchiv Koblenz (F016222-0043A) verdeutlicht, was das für die Bürger der Sowjetunion auch auf der Krim bedeutete. Die Quelle findet sich auch im Dokumentationszentrum „Topografie des Terrors“ in Berlin.

Abb. 2.: „Erhängte sowjetische Partisanen, vermutlich Jalta, Krim, undatiert (1942).Quelle: Stiftung Topografie des Terrors (Hrsg.), 5. Aufl. 2018 [2010], Topografie des Terrors, Berlin, S. 315.

Bis Ende 1941 ermordeten Reichswehr und Einsatzgruppen auf der Krim 60.000 Juden. 

Hoppe, 2024.

Um mit Bärbel Bas zu schließen, „‚Nie wieder!‘ – […] bleibt eine Aufgabe für unsere gesamte Gesellschaft“ – das gilt gerade auch für Judenhass und die Verbrechen Hitlerdeutschlands in der ehemaligen Sowjetunion.

Abb. 1 (oben): Quelle: Hoppe, 2024, S. 33.

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Autobahn und Reichsgaragenordnung

Deutschlands brauner Weg in die Autogesellschaft.

Knie, Andreas (2023): Deutschlands Weg in die AutomobilgesellschaftVerkehrspolitik im Schatten des NS. APuZ, 73 (51-52/2023), S. 9-15.

Impuls für den nächsten Geschichtsunterricht: Kraftfahrtzeugführer auf dem Weg von Berlin in Richtung polnische Grenze passieren an der A12 ein großflächiges Hinweisschild mit der Aufschrift „ Autobahn der Freiheit“. Historisch weitgreifender wäre eine Ergänzung um ein weiteren Hinweis „gebaut von Zwangsarbeitern“. 4.000 Kilometer „Nur-Autostraßen“ waren dabei nur ein Element der NS-Programms zur Popularisierung des Autos. Detailliert und dennoch kurzweilig zeigt Andreas Knie in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) auf, wie die Nazis ab 1934 die „rechtlichen, wirtschaftlichen, infrastrukturellen und kulturellen Grundlagen“ für den „Katapultstart“ der Autogesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg schufen. Wie zum Beispiel die Reichsgaragenordnung von 1939. All das und noch viel mehr im Artikel online unter https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/lokale-verkehrswende-2023/543680/deutschlands-weg-in-die-automobilgesellschaft/

Abb. oben: Werbeblatt für die Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung 1933 in Berlin. Quelle: Knie (2023, S. 11).

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Neu im Bücherregal

Ball, Philip (2022): Die Elemente. Entdeckung und Geschichte der Grundstoffe. Bern, Haupt, 225 S., 48,00 Euro.

Fahren Sie vom Zentrum der Kisch-Metropole Prag mit dem Auto 35 Minuten ins böhmische Umland, dann erreichen sie den kleinen Ort Kutna Hora. Sie entdecken dort neben einer bizarren Knochengruft eine wirklich eindrucksvolle und architektonisch einmalige Kathedrale (Abb. 1) Es dauerte fast 500 Jahre, die Kathedrale fertig zu stellen, Gründe für die Verzögerung waren finanziell angespannte Zeiten und die Hussitenkriege.

Abb. 1: Kathedrale der heiligen Barbara, Kutnà Hora, 1388-1905 rekonstruiert in neogotischem Stil (c) Dr. Tim Jäkel, 2019.

Der Reichtum für dieses Bauwerk entstammt den frühneuzeitlichen Silberbergbau in dieser Region. Silber zählt neben Gold zu Kupfer zur Gruppe der Edelmetalle. „Edel“ waren diese Metalle, weil sie für die Münzherstellung verwendet wurde. Die chemische Eigenschaft hinter der Zuschreibung „edel“ ist jedoch die ausgesprochene Trägheit von Gold, Silber und einiger anderer Metalle in dieser Gruppe des Periodensystem, mit dem Sauerstoff in der Luft zu reagieren. Aufgrund ihrer geringen Affinität zu Sauerstoff eignen sich Gold, Silber und auch Kupfer hervorragend zur Schmuckherstellung, oder eben als Zahlungsmittel. Denn wer vertraut schon einer verrosteten Eisenmünze?

Abb. 2: „Silberbergbau in Kutná Hora, Böhmen (heute Tschechische Republik). Aus einem illuminierten Gesangsbuch, 1490, Sotheby’s London.“ Quelle: Ball, Philip (2022): Die Elemente. Entdeckung und Geschichte der Grundstoffe. Bern, Haupt, S. 98.

Diese und unzählige weitere herrlich illustrierte Geschichten über die chemischen Elemente erzählt Philip Ball in seiner jüngsten Publikation aus dem Berner Haupt Verlag. Eindeutige Empfehlung: kaufen!

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Kennen Sie (noch) Ritter Runkels Ritterregeln?

Ich nutze gerne das Mosaik, einen Comic mit den drei Zeitreisenden Die, Dag und Digedag, um Lerngruppen in der 7. Klasse den Unterschied zwischen historischen Quellen und darstellenden Abbildungen zu erläutern. Aber probieren Sie selbst: ordnen Sie bitte die beiden Bildimpulse der korrekten Kategorie zu: historische Quelle oder darstellende Abbildung?

Auflösung: Abbildung 1 zeigt eine Bildquelle über einen ritterlichen Turnierkampf aus dem berühmten Codex Manesse, der Großen Heidelberger Liederhandschrift aus dem 14. Jahrhundert, die sich in der Universitätsbibliothek Heidelberg befindet. https://doi.org/10.11588/diglit.2222#0099

Abbildung 2 entstammt dem Mosaik von Hannes Hegen, Heft 90 (Mai 1964), hier im Nachdruck im Buchverlag Junge Welt von 1995, S. 26.

Die Daumenregel für die Schüler lautet: es handelt sich um eine historische Quelle, wenn die Abbildung/der Text/allg. das Material aus jener Zeit stammt, über die wir etwas erfahren wollen. Das trifft auf den Codex Manesse zu, aber nicht auf das Mosaik.

#Schule #Unterricht #Geschichte #Mittelalter #Klasse7 #Ritter

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Neu im Buchhandel

Jones, Dan (2023): „Mächte und Throne. Eine neue Geschichte des Mittelalters“. München: C.H. Beck

Lehrer in Brandenburg werden im #Unterricht verstärkt den Nahost-Konflikt behandeln. Umfassendes historisches Kontextwissen liefert Dan Jones in seiner viel beworbene Neuerscheinung „Mächte und Throne. Eine neue Geschichte des Mittelalters“, erscheinen bei C.H. Beck. 793 Seiten, 39,90 Euro.

Jones hat 2019 bereits eine ausführliche Geschichte des Templerordens vorgelegt. Mir gefallen beide Bücher ganz hervorragend. Jones schreibt unterhaltsam, ohne auf präzise Quellenarbeit und einen Belegapparat zu verzichten. Seriöse historische Fachbücher gehen also auch spannend!

Zurück zu den Kreuzzügen als einem Mosaikstein in der Geschichte des Nahostkonflikts: Die ersten Kreuzfahrer machten sich 1096 aus Mitteleuropa auf den Weg nach Jerusalem. Sie erhofften sich „himmlischen Lohn“, d.h. den Erlass ihrer irdischen Sünden im Austausch dafür „irgendwo in der Fremde andere Menschen abzuschlachten“ (Jones, 2023, S. 337). Die erste Welle der Kreuzfahrer waren religiöse Eiferer ohne militärische Erfahrung, die ihren Hass zuerst an Juden in Speyer, Worms und Mainz auslebten, bevor sie überhaupt richtig aufgebrochen waren. Nach der ziemlich unchristlichen Eroberung Jerusalems 1099 wurden vier christliche Kreuzfahrerstaaten errichtet, die sich bis ins 13.Jahrhundert hielten.

Raimund von Aguilers schildert die Eindrücke nach der unbarmherzigen Eroberung durch die Kreuzritter wie folgt: 

„In den Häuser und Straßen türmten sich Köpfe, Hände und Füße, und tatsächlich rannten Männer und Ritter hinterher und liefen über die Leichen hinweg“

(zit. Nach Jones, 2023, S. 344).

Dem ersten folgten drei weitere Kreuzzüge ins Heilige Land. Davon war der Vierte Kreuzzug mit der Plünderung Konstantinopels „eines der schändlichsten und unrühmlichsten Ereignisse des gesamten Mittelalters.“ (Jones, 2023, S. 372). Ab dem 13. Jahrhundert setzte der Niedergang der christlichen Kreuzfahrerstaaten ein. Weitere Kreuzzüge richtet sich dann gegen Völker in Skandinavien und im Baltikum. Jones fasst das alles wie folgt zusammen:

„Der Kreuzzugsgedanke – ein Bastard aus Religion und Gewalt, der ursprünglich für päpstliche Ambitionen gedacht war, aber mit der Zeit von allen möglichen Personen zu den verschiedensten Zwecken genutzt wurde – war eine der erfolgreichsten und dauerhaft toxischen Ideen des Mittelalters. Dass er so lange besteht, ist ein Zeichen für seine Genialität, aber auch der Bereitschaft der Menschen damals und heute, sich im Namen eines höheren Zwecks in einen Konflikt zu stürzen.“

(Jones, 2023, S. 382-383)
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Office is where the work is

Lesenswerter Beitrag über die Ursprünge von New Work und Telearbeit in der aktuellen Ausgabe der #ApuZ: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/new-work-2023/542501/home-is-where-the-office-is/

Michael Homberg von der Uni Potsdam und Marko Winkelmann zeigen, dass Arbeiten von zu Hause aus für das Bildungsbürgertum „über Jahrhunderte hinweg zur Normalität“ gehörte, vom Studium der Fachliteratur bis zum Briefwechsel mit anderen Geschäftspartner.

In der Industrialisierung stand Heimarbeit dagegen für prekäre Arbeitsverhältnisse, gegen die etwa die Weber aufbegehrten. Der entwickelte Industriekapitalismus des 20. Jahrhunderts machte die Trennung von Arbeits- und Wohnort dann zur Norm.

Die Motivation für Versuche mit Satellitenbüros in den 1970ern in den USA – das, was wir heute also Homeoffice bezeichnen würden – lag darin, das Verkehrssystem zu entlasten und den Benzin- und damit Ölverbrauch der USA zu senken. Homberg und Winkelmann zeichnen die oft futuristische und blauäugigen Diskurse über Telearbeit nach, die sich in den 70er und 80ern abspielten, während Datenverbindungen und Computer tatsächlich Pilotprojekte für Telearbeit ermöglichten.

Telearbeit verschob fast ausschließlich Arbeit im Bürobereich von Banken und Versicherungen nach Hause statt. Und sie war ausschließlich weiblich. Mit New Work — mit Tätigkeiten, die Menschen „wirklich wirklich tun wollen“ hatte all dies wenig zu tun. Die kurze Geschichte der Telearbeit ist — und das macht der Beitrag hervorragend deutlich — Teil der „Konfliktgeschichte des Kapitalismus“.