Kommentar zu Werner Plumpe »Die staatliche Zwickmühle im Wohnungsbau«, FAZ 5. Mai 2026
»Zweimal gelang es in der jüngeren deutschen Geschichte, Mangel [an bezahlbarem Wohnraum] zu bekämpfen.«
Plumpe, Werner, 2026, »Die staatliche Zwickmühle im Wohnungsbau«, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dienstag, 5. Mai 2026, S. 16.

Überzeugend legt der renommierte Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe in der heutigen FAZ dar, dass a) sowohl ein rein privatwirtschaftlicher Bauboom im Kaiserreich sowie b) massive staatliche Begünstigungen und Eingriffe in das Marktgeschehen in den 1950ern und 1960ern in der jungen Bundesrepublik Deutschland den verfügbaren Wohnraum erheblich ausweiteten. Gleichzeitig macht Werner Plumpe am Beispiel der Neuen Heimat deutlich, dass der Anstieg der Baukosten und Missmanagement auch vor scheinbar gemeinnützigen Akteuren keinen Halt machen.
Für ein weiteres Beispiel für mehr bezahlbaren Wohnraum aus der jüngeren deutschen Geschichte fehlte im Artikel leider der Platz: Auch das Wohnungsbauprogramm in der DDR reduzierte den Wohnungsmangel seit den 1970ern durch massive staatliche Mittel und modulares Bauen wirkungsvoll.
Forciert unter Honecker ab 1976 entstanden etwa zwei Millionen Wohneinheiten. Modulares bzw. serielles Bauen und ermöglichten niedrige Baukosten.

In der Rückschau äußern relevante Akteure durchaus Bedenken, dass erhebliche finanziellen Mittel für den Wohnungsbau aus sozialpolitischen Gründen (»Einheit von Wirtschaft- und Sozialpolitik«) investiert wurden. So schreibt Egon Krenz im ersten Band seine Autobiografie:
Die FDJ nahm sich verstärkt der Alltagsprobleme der Jugend an: Wohnungen und zinslose Kredite, für junge Eheleute zum Einrichten dieser Wohnungen […] Es gab Ökonom, die kritisierten die sozialpolitischen Maßnahmen generell und speziell für junge Leute als Verschwendung. Manche meinten ja, sie seien »Opium gegen jedes vernünftige, ökonomische Denken». Nachträglich betrachtet, stimmte das vielleicht sogar. Damals aber sah ich es nicht so. Ich freute mich über jede soziale Verbesserung für die Bürger.
Krenz Egon (2023): Gestaltung und Veränderung. Erinnerungen, Berlin: Edition Ost, S. 27-30
Werner Plumpe schließt mit der Schlussfolgerung: »Auf Dauer sind massive Subventionierung des Wohnungsbaus kaum vorstellbar. Nötig wäre eine deutliche Senkung der Baukosten, namentlich durch Rückkehr zum preiswerten seriellen Bauen«. »Die Geschichte lehrt nichts für morgen« – sie hält aber Beispiele bereit, die es wert sind, ebenfalls erwähnt zu werden.
