Mach keinen Blödsinn mit dem Müll

Dieses neue Plakat zur Mülltrennung im Retro-Stil hängt seid dieser Woche in unserem Hausflur:

Albere nicht (mit dem Abfall) herum

Damit erinnert die Moskauer Stadtverwaltung alle Einwohner an das neue 2-Tonnen-System zur Mülltrennung: Blaue Tonne für Verpackungsmüll, graue Tonne für Restmüll.

Das 2-Tonnen Minimalprinzip gibt es in Moskau seit 2019. Es ist Teil der laufenden russischen Abfallwirtschaftsreform. Aktuell werden nur etwa 10% des Abfalls in Russland verwertet; 90% landen also unbehandelt auf Deponien. Das Ziel lautet, die Recyclingquote bis 2025 auf 65% zu erhöhen, dem Niveau der deutschen Abfallwirtschaft. Durch die Pandemie wird diese Zielsetzung voraussichtlich auf 2030 verschoben.

Die russische Reform steht vor fünf zentralen Herausforderungen:

1. Illegale Mülldeponien: das geplante Deponieverbot für unbehandelte Abfälle erfordert die Beseitigung der unzähligen illegalen Deponien im ganzen Land. Verantwortlich sind am Ende des Tages die jeweiligen Kommunen, denen fehlen aber Einnahmequellen und administrative Kapazitäten Verursacher zu ermitteln oder zur Rechenschaft zu ziehen

2. Ausbau der Recycling-Infrastruktur: Russland setzt auf den deutschen Pfad der thermischen Verwertung, mit all seinen Fehlanreizen. Sinnvoller wären Verfahren zur Nutzung von Sekundärrohstoffen.

3. Grüne öffentliche Beschaffung: russische Behörden und Unternehmen müssen stärker ökologische Kriterien beim Einkauf berücksichtigen. Damit kann die Nachfrage nach Sekundärrohstoffen angekurbelt werden, Nischenanbietern kann der Markteintritt ermöglicht werden.

4. Lokalisierungsstrategien: jede der 85 Regionen muss ihren eigenen Abfallwirtschaftsplan entwickeln und umsetzen. Die demografischen, geographischen und sozioökonomischen Unterschiede zwischen den Regionen sind enorm. One-size-fits-all Lösungen passen nicht.

5. Erweiterte Produzentenverantwortung

6. Reform der Müllgebühren: politisch heikel, denn die Haushalte müssten in Vorleistung gehen, um die Erweiterungen der Infrastruktur zu finanzieren.

Es bleibt also viel zu tun. Die Retro-Plakate leisten ihren Beitrag für nachhaltigeren Umgang mit Müll.